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Robert Wohlleben:

Sonett – funktioniert die Form?

 

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Meiendorfer Drucke:
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Sonett im Internet + Schluß

12. Sonett im Internet+ Schluß



Eigentlich ist es eine Geschichte für sich, wer sich wie und wo mit der mittelalterlichen Gedichtform im Internet, der virtuellen Parallelwelt oder Weltwiederholung, angesiedelt hat, wo sich vom Bankenviertel bis zum Red-Light-District so ziemlich alles wiederfindet, auch Kleingartenkolonien. Ich komme deshalb nur äußerst knapp auf meine Internet-Präsenz zu sprechen.

1997 machte ich mich daran, mir ein ziemlich labyrinthisches «Netzgelände» anzulegen. So übersetze ich mal das «website». Seit Frühjahr 1999 mit der Adresse www.fulgura.de.

Eine große Parzelle ist von den Meiendorfer Drucken (www.fulgura.de/md/meindorf.htm) und ihrer Autorenschaft belegt … bis hin zum «Elektro-Laden» mit schlichtem elektronischen Bestellzettel (seltenst benutzt).

Und eben auch die Sonett-Parzelle (www.fulgura.de/sonett/sonette.htm) ist ein größerer Komplex. Neben allerlei Verzweigungen ins Poetologische gabs dort einige Jahre lang einen « Sprechsaal», in dem wohl mal dringlichst nach Sonetten von Ulla Hahn gefragt wurde, weil die morgen im Unterricht dran waren, aber es hat sich dort auch manches Spannende entsponnen. Im « Sonett-Salon» treibe ich mein Spiel mit momentan gut 300 Sonetten, die alle anderweitig in meinem Netzgelände kontextualisiert vorkommen: Jedes enthält zwei bis sechs «Verknüpfungen», vulgo Links, die jeweils zu einem anderen Sonett im Salon führen. So kann jemand, der sich drauf einläßt, stets neue Anthologien gewinnen. Oder er läßt sich die Sonette in zufälliger Abfolge vorzeigen. Aufschlüsselungen nach Autoren und nach Bautypen sind beigegeben. Dank eines kleinen Programms, von Klaus Gubener in Bad Freienwalde zum Zwecke geschrieben, ist der Wortschatz durchs ABC hin in Listen gehäckselt und zu den Ursprungstexten zurückzuverfolgen.

fulgura.de ist im Internet nicht allein mit seinen Sonetten. Nur zwei andere «Präsenzen» seien genannt:

Sonett-Archiv

 

Von Burgdorf aus bringt Dirk Strauch alias ZaunköniG sein Sonett-Archiv ins Netz. Start des Archivs war am 12.04.2002. Der Grundstock umfaßte 500 Sonette. Bereits Ende 2002 waren über 3000 Sonette erfaßt. Zur Zeit sind 4202 Sonette von 313 Autoren verfügbar. Dazu kommen Links zu 748 Sonetten von 103 weiteren Autoren auf externen Quellen.
Unter der Adresse www.sonett-central.de versammelt er Sonett-Übersetzungen und Nachdichtungen fremdsprachiger Sonette. Dies Archiv umfaßt zur Zeit 1928 Übertragungen von 61 Autoren sowie Verweise zu weiteren 18 Autoren auf fremden Web-Ressourcen.
 

Sonnet Central

 

Aus dem Vereinigten Königreich grüßt Eric Blomquist:
Welcome to Sonnet Central, an archive of English sonnets, commentary, and relevant web links and a forum for poets to share and discuss their own work.


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Alles gesagt …?

Eigentlich fehlt noch der Zweifel am ernstgenommenen Sonett … und an sich selbst, von Hans Adler (1880–?1957) in einem Sonett formuliert:

 

Affentheater

Ja, Herr Kollega, wenn wir Flügel hätten,
Dann starrten wir nicht fiebernd vor Verlangen
ins Weite durch des Käfigs Gitterstangen
nach flammendroten Wolkensilhouetten.

So klirren wir uns Trost mit unsern Ketten –
Wir hören, ergo sind wir nicht gefangen, –
Und wimmern unser namenloses Bangen
Zum Himmel in rachitischen Sonetten.

Gefügig zappeln wir wie Marionetten,
Nervöse Marionetten mit Gehirnen,
Die an die Drähte nicht recht glauben wollen,

Und spielen – kalten Schweiß auf müden Stirnen –
Mit Ernst und Pathos unsre Jammerrollen
in dieser traurigsten der Operetten.

Hans Adler: Affentheater. Gedichte (1920)

Dennoch könnte ich für mich jetzt so zusammenfassen: Die Form Sonett – im deutschen Barock hieß es noch Klinggedicht – funktioniert durch den nicht totzukriegenden Reim. Sie hat viele Gesichter … und bekommt immer noch mehr. Sie faßt alle denkbaren Diskurse, auch die gegenwärtigsten. Allerdings sollte sie nicht für gedankliche Schonkost mißbraucht werden, denn die ist langweilig und führt nicht hinaus über erfolgreiche Formeln, wie «Das war immer so, und das bleibt auch so, sei doch froh» und «Es ist, was es ist». Und: Das Alter einer funktionierenden Form tut nichts zur Sache, solange sie funktioniert. (Vom Rad will ich jetzt nicht anfangen …)
 

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