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Der geistliche Pilger erblickt eine andere Welt - Detail

Observationes von solcher Materie

Eigentlich schade, daß Johann Gottfried Schnabel Mons. Eberhard Julii gar feinen und gelehrten Discours als redundant unterschlägt. Als in Sachschriftenwesen und überhaupt schon mal UFO-Kunde Unbewandertem ist mir nicht geläufig, was ihm seinerzeit aktueller als Hesekiel 1, 4-28 auf der Straße zu liegen schien. In meinen Büchern finde ich gerade nur einen Beleg, der zum Meteoron im 1732 erschienenen Theil II der Insel Felsenburg paßt:

    Lemberg, den 29. Sept. Von Kamieniec wird geschrieben, daß daselbst am 18. dieses ein grosser feuriger Drache in der Lufft über eine viertel Stunde herum geflogen, und ungemein starcke Feuer Flammen, imgleichen viel baares Geld von sich gespieen und zu 2 mahlen einen solchen Knall gegeben, als wenn die grösten Canonen gelöset würden; hier bei uns in Lemberg hat man solches Ungeheuer nicht wahr genommen, sondern es war an eben gedachten dato ein starcker Sturm-Wind und erschrecklicher Platz-Regen.

    Vossische Zeitung. Berlin 1728. Nr. 129

Die folgenden Meldungen kamen für Theil II zu spät; sie belegen allenfalls, daß dies Thema bei Erscheinen von Theil IV (1743) – wo ja, weil so schön, das rätselhafte Meteoron nochmals aufgegriffen wird – immer noch etwas wie Medien-Hype war:

    Constantinopel, den 18. Septembr. Den 13. Nachmittage um 4 Uhr wurde der Horizon über dieser Stadt mit einer dicken Wolcken überzogen, und dadurch die Lufft dermassen verfinstert, als ob es Nacht wäre, solches dauerte ungefähr 96 Minuten, worauf sich mitten in der Wolcken ein heller Stern, dessen Farbe gantz Blut-roth war, sehen liesse; nach 6 Uhr deß Abends verlohr sich dieser ungewöhnliche Stern, welcher zuletzt noch mit einem Schweiff sich vermehret, und dadurch einem Cometen nicht ungleich wurde, worauf ein dicker Nebel kam, der biß um 11 Uhr in die Nacht dauerte, und einen üblen Geruch hinterließ, welches die Leuthe bey einer so ungewöhnlichen Sache in eine grosse Bestürtzung setzte.

    Schlesischer Nouvellen-Courier. [Breslau] 1736. Nr. 170

    Mantua, vom 20. Februarii. Von Castel Gofredo, welches ein District im hiesigen Herzogthum ist, vernimmt man, daß den 28sten des abgewichenen Monaths um 23 Uhr und ein Viertel in selbiger gantzen Gegend und denen herumliegenden Orten ein ungewöhnlicher Lärmen in der Luft, gleich als wenn schweres Geschütz abgefeuert würde, sey gehöret worden, das ohngefehr 8 Minuten, bald starck, bald wieder mit weniger Getöse, wie etwan der Trommelschlag, fortgedauert habe. Eine halbe Meile von Castel Gofredo wären die Einwohner eines Hauses nicht weit von dem Oratorio di S. Michele, das vor gedachtem Ort läge, aus Schrecken, indem sie den starcken Klang gleich über sich gehöret, in das Freye herausgelauffen, und hätten zu ihrer Verwunderung die stärcksten Eichen, Pappeln, und andere Bäume, beben, und sich bewegen gesehen, als ob ein heftiger Wind bliese da doch nicht das geringste Lüftlein gegangen sey. Fast zu gleicher Zeit hätten sie ein gewaltiges Getöse über sich gehöret, und einen Stein erblicket, der sich in der Luft, ohngefehr 100 Ellen in der Höhe, fortgedrehet habe, und plötzlich in den Hof gemeldeten Hauses herunter gestürtzet, auch bey nahe einem Knecht auf den Kopf gefallen wäre. Dieser Stein sei kaum einer Hand breit in die Erde gesuncken. Man habe ihn nach dem ersten Schrecken heraus gegraben, und 16 Untzen schwer befunden. Er wär an Farbe gantz schwärtzlich, von dreyeckigter und spitzig zugehender Figur, auf der einen Seite rauh und hart, auf der andern aber etwas glätter gewesen.

    Vossische Zeitung. Berlin 1739. Nr. 29

Zitate aus
Eberhard Buchner:
Das Neueste von gestern
Kulturgeschichtlich interessante Dokumente aus alten deutschen Zeitungen
Zweiter Band: 1700 – 1750 München: Albert Langen [1912?]
Zitiert: Seite 200 bzw. 309 bzw. 355

Robert Wohlleben