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Gabriele d’Annunzio: Hortus Larvarum. Meiendorfer Druck 61

DIE AHNUNGSLOSE

    … cupiditates velut mala ulcera eruperunt.

Wie aus Verwesungssaft die neuen Leben
aufwachsen bis zum wimmelnd-Überreichen
und finstre Pflanzen aus der Tiefe streben,
genährt vom flüssigen Ferment von Leichen,

Kelche sich öffnen, welche Wunden gleichen,
aus deren Blut sich gelb die Stempel heben,
wie Puppen platzen, welche in den Weichen
des fleischig-carneolnen Blattwerks kleben,

so keimen aus dem Herzen mir Gedichte
von einer bösen Art. Die Blätter hauchen
menschlichen Brodem, der wie Trauer trifft.

Und angelockt vom blutigroten Lichte
bückt sich die Ahnungslose; und es tauchen
die Finger in ein ätzendscharfes Gift.

Meiendorfer Druck Nr. 61
(2009)

Gabriele d’Annunzio
HORTVS LARVARVM
Lyrik der Jahrhundertwende

Aus dem Italienischen
von Geraldine Gabor und Ernst-Jürgen Dreyer

16 Seiten Oktav ohne Umschlag (100 Exemplare)

Gabriele d’Annunzio

Gabriele d’Annunzios (1863–1938) skandalumwittertes Leben*) läßt leicht den europäischen Rang des Dichters vergessen, über den sich so konträre Geister wie Hofmannsthal und Joyce, George und Brecht einig waren. Während d’Annunzios Romane sämtlich schon früh übersetzt wurden und auch neuere Ausgaben erfahren haben, blieb seine Lyrik in Deutschland so gut wie unbekannt – kein Wort darüber z. B. auf den zwölf d’Annunzio-Seiten in Kindlers neuem Literatur-Lexikon. Die von Else Schenkl und Stefan George übertragenen Proben (1904 bzw. 1905 erschienen) entstammen der Lyrik vor der Jahrhundertwende. ALCYONE, das Gipfelwerk der dannunzianischen Lyrik, ist hierzulande noch überhaupt nicht im Bewußtsein.
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*) Paul Burg-Schaumburgs grad schon geifernd medisante Auslassung im »Minerva-Lexikon« (1929).

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Ernst-Jürgen Dreyer bei fulgura frango

   



 


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