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Auf der Schützenwiese
zwischen Menagerieen, Riesendamen und Seiltänzern,
unter sich ein Postament von Granit,
steht
»das Vaterland«.
Eine schwarze, gusseiserne Puppe mit Augen aus Fensterglas.
Bunte Papierfähnchen zu ihr hinauf
schwenken Kinder.
Würdige Herrn in Frack und Orden
schwitzen feierliche Reden.
Sie glotzt ins Leere.
Sie ist ein Riesenofen,
der uns alle verbrennen wird.
Robert Reß
Das Gedicht stammt von einem »Schüler« des Dichters Arno Holz. Es ist 1899 erschienen. Damals hatte das Deutsche Reich in Deutsch-Südwest Aufstände der Hottentotten zusammenschießen lassen. Mit immensen Kosten wurde die Kriegsflotte ausgebaut, denn: »Wir verlangen auch unseren Platz an der Sonne.« Das hatte der spätere Reichskanzler von Bülow von sich gegeben. Robert Reß nimmt sich die Germania-Statuen der wilhelminischen Zeit vor und reduziert das nationalistische Theater aufs Material: schwarzes Gußeisen, Fensterglas. Den würdigen Herrn dagegen »schenkt« er ihren Frack, ihre Orden, ihre schwitzige Feierlichkeit. Es reicht schon, daß sie bei den Riesendamen auftreten: Freak-Show eins wie das andre. Nur die Kinder läßt der Dichter ungeschoren und sagt schlicht, was sie tun. Nur 15 Jahre sind es noch, bis die Jungs unter ihnen bei Langemarck ins Maschinengewehrfeuer getrieben werden. Die Vorahnung läßt den Gedichtschluß zur Grimasse geraten.
Kommentar von Robert Wohlleben
Robert Reß: Farben. Verlag Sassenbach, Berlin 1899
Robert Reß (18711935) lebte als Gesangslehrer in Berlin.

Arno Holz und Robert Reß, 1910
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