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Gleich nach Weihnachten
schlugen die Bäume aus.
Im Januar grünten die Saaten,
blühten die Kirschbäume.
Das Wasser der Bäche war so warm,
als ob heisse Quellen es speisten.
Auf die Dächer
liessen sich seltsam prächtige Vögel nieder,
die noch niemand gesehn hatte.
Todfeinde
umarmten sich.
Der Kaiser selbst,
umringt von seinen Paladinen,
stieg von seinem Thron
barhäuptig
mitten unter die Bettler.
Von Land zu Land
läuteten die Glocken,
das tausendjährige Reich ist da!
Eine goldne Uhr fällt dann nicht mehr auf
im deutschen Reich.
Bis ins Herz der ehemaligen Wüste Gobi
flutet durch Kanäle das Meer.
Mitten im stillen Ocean,
auf einem Unterbau von Platin,
ruht ein neuer Erdteil.
Bis Spitzbergen hinauf blühen das ganze Jahr
Apfelsinenwälder!
Robert Reß in »Farben« (Berlin 1899)
Bisher hielt ich das Gedicht schlicht wegen der kabarettistischen Veralberung seinerzeit grassierender Fortschrittseuphorie für amüsant. Ein Hinweis in der Titelgeschichte des heutigen »Spiegel« der Klimawandel wird weichgezeichnet läßt mich nun vermuten, daß auch damaliger wissenschaftlicher Diskurs ins Gedicht eingegangen ist. Dem »Spiegel«-Artikel zufolge sagte Svante Arrhenius (18591927), Verfasser u.a. eines Lehrbuchs der Elektrochemie und Nobelpreisträger von 1903, im Jahr 1896 zunehmende Erderwärmung und damit einhergehende Verbesserung der Lebensbedingungen voraus.*)
Ich habe nicht nachgeprüft, nehme aber als sicher an, daß die These damals durch die Presse ging, auf diesem Wege Robert Reß zur Kenntnis kam und sogleich zum Gedichtmotiv wurde.
Robert Wohlleben, 8. V. 2007
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Könnte VIELLEICHT jemand aus dem Ärmel schütteln und mir melden , ob und dann vor allem WO sich die Publikumspresse in den Jahren 1886 bis 1899 auf die Arrhenius-Befunde bezog???
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*) Svante Arrhenius: On the Influence of Carbonic Acid in the Air upon the Temperature of the Ground. In: Philosophical Magazine and Journal of Science, April 1896.
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