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Vorlagen für die in parodien.htm versammelten Parodien
auf Gedichte
von Arno Holz und seiner »Schule«


Um die Venus am Goldfischteich
spielen Kinder.

Nackte, beschmuddelte Kniee,
braune, runtergerutschte Strümpfe,
kleine Häufchen aus Sand geformt.

Der schöne Vormittag. Die schöne Sonne.

Ein alter Herr mit weissen Bäffchen
sitzt auf einer Bank.

Die Augen sind ihm zugefallen,
der Cylinder schief,
um seine erloschne Cigarre
wippt eine Libelle.

(Jugend, 3. Jg., Nr. 3, 15. 1. 1898)

Arno Holz hat das Gedicht nicht in seinen »Phantasus« übernommen.
Zum heruntergekommenen Trinker in der Parodie hat sich der Parodist wohl durch die naturalistischen Werke von Holz und Johannes Schlaf inspirieren lassen. Den Parkbank-Dichter hat er aus Holzens ebenfalls im Berliner Tiergarten angesiedelten Leutnantgedicht, Erstdruck im selben »Jugend«-Heft wie »Um die Venus am Goldfischteich«:

Im Thiergarten, auf einer Bank, sitz ich und rauche;
und freue mich über die schöne Vormittagssonne.

Vor mir, glitzernd, der Kanal:
den Himmel spiegelnd, beide Ufer leise schaukelnd.

Ueber die Brücke, langsam Schritt, reitet ein Leutnant.

Unter ihm,
zwischen den dunklen, schwimmenden Kastanienkronen,
pfropfenzieherartig ins Wasser gedreht,
– den Kragen siegellackrot –
sein Spiegelbild.

Ein Kukuk
ruft.

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Draussen die Düne.

Einsam das Haus,
eintönig,
ans Fenster,
der Regen.

Hinter mir,
tictac,
eine Uhr,
meine Stirn
gegen die Scheibe.

Nichts.

Alles vorbei.

Grau der Himmel,
grau die See
und grau
das Herz.

(Arno Holz: Phantasus, 1. Heft, S.49)
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Ich weiss.

Oft
wars nur ein Lachen, ein Handdruck von dir,
oder ein Härchen, ein blosses Härchen,
das dir der Wind ins Genick geweht,
und all mein Blut
gährte gleich auf,
und all mein Herz
schlug nach dir.

Dich haben, dich haben,
dich endlich mal haben,
ganz und nackt, ganz und nackt!

Und heut,
zum ersten Mal,
unten am See, glitzernd im Mittag,
sah ich dich so.

Ganz und nackt! Ganz und nackt!

Und mein Herz
stand still.

Vor Glück, vor Glück.

Und es war keine Welt mehr,
nichts, nichts, nichts,

es war nur noch Sonne, nur noch Sonne –

so schön warst du!

(Arno Holz: Phantasus, 1. Heft, S.40)
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Ich singe ihnen meine Lieder vor,
den Herzen von Stein.

Aus dem Klavier
Thränen.

Meine tiefste Seele
schluchzt.

Ich dreh mich nicht um.
Ich weiß:
hinter mir hocken Götzen.
Ihre Opalaugen
träumen mich an.

Ich spiele stärker.
Sie müssen!

Ich schreie!

Plötzlich
zu ihren Füßen
ein rotes, zuckendes Ding . . .

Ich lächle – verlegen.

(Georg Stolzenberg: Neues Leben, 1. Heft, S. 55)
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Einst
war meine Seele ein Lämmchen.

Sie packten es,
schoren ihm gierig seinen weißen Flaum,
und auf sein rosiges Schnuffelschnäuzchen schlugen sie mit Knütteln.

Sein jämmerliches Weinen
rührte sie nicht.

Aus meinen Schwielen
wurden Schuppen.

Ich wuchs zum grünen Drachen mit langer Krokodilschnauze,
unter jedem Zahn eine Giftdrüse.

Ich beiße alle in den Bauch!

Sie weichen mir aus.

Ich bin böse, unchristlich und überhaupt ein Gemütsmensch.

(Rolf Wolfgang Martens: Befreite Flügel, S. 17)
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Auf einem wippenden Birkenzweig
sitzt ein Vogel,
piept.

Dicht am weissen Birkenstamm
lehnt im goldnen Kleid die Prinzessin,
horcht.

In ihren beiden kleinen Herzen
wacht der Frühling auf.

(Ludwig Reinhard: Meine Jugend, S. 21)
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Meine kleine blasse Schwester
schickt mir eine blaue Tüte mit Bonbons.

Mit ihren dünnen Fingerchen hat sie sie zugeknüllt.

Ich mag sie nicht aufmachen.
Freue mich nur über die vielen Kniffe im harten Papier.

(Ludwig Reinhard: Meine Jugend, S. 51)
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Das ist meine glücklichste Stunde!
Um mich stehn meine hundert Wünsche.
Böse, magre Fetische mit Glasaugen,
wehmütige Engel mit blanken Flügeln.

Einen nach dem andern winke ich her,
nehme ihn lachend beim Kragen, seh ihn mir nochmal ordentlich an
und dreh ihm den Hals um.

(Ludwig Reinhard: Meine Jugend, S. 51)
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Meine Hoffnung
ist ein altes Weib,
das täglich, die Gießkanne in der Hand,
an die Gräber ihrer Kinder humpelt.

Ihr zusammengeklapperter Leib
ist tief zur Erde gebeugt.

Aber sie hält sich die Ohren zu, wenn man vom Sterben spricht.

(Georg Stolzenberg: Neues Leben, 2. Heft, S. 50)
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In meinem Grab
fault längst ein andrer.

Ich bin nur noch ein Totenschädel;
die Spitze
einer Knochenpyramide.

Wie durch das verstaubte Gitterfenster
der Mond in meine Augenhöhlen scheint,
kullre ich runter
und zerbreche mir das Nasenbein.

(Robert Reß: Farben, S. 38)
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