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Die Blechschmiede von Arno Holz als Hörspiel

Buchschmuck von Julius Diez

Das Ton-, Bild- und Wortmysterium in 6 Akten und 4 Zwischenspielen »Die Blechschmiede« von Arno Holz (1863–1929) erschien als Buch erstmals 1902 und, nach mehreren erheblichen Erweiterungen, in der Nachlaßfassung 1963/64 als Band VI und VII der Ausgabe der »Werke« des Dichters im Luchterhand Verlag mit insgesamt 805 Druckseiten im Großformat. Es handelt sich um eine sarkastische Vers-Satire auf die deutsche Literatur der Jahrhundertwende und darüber hinaus um eine ideologiekritische Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Politik und Gesellschaft, die zur geistigen Überwindung des Wilhelminismus beitrug. Format galt das Werk bisher als unaufführbares Lesedrama, als phantastische »Wort-Oper«. Arno Holz hat jedoch darin viele Möglichkeiten radiophonischer Ausdrucksmittel intuitiv vorweggenommen. So lag eine medienspezifische Funk-Bearbeitung der »Blechschmiede« nahe, die kürzlich von dem literarischen Nachlaßverwalter des Dichters, dem Berliner Schriftsteller Klaus M. Rarisch, fertiggestellt wurde. Die aufwendige Groß-Produktion des abendfüllenden Hörspiels mit 37 Sprechern unter der Regie von Heinz von Cramer (Rom) hat der Bayerische Rundfunk München übernommen. Die Sendung ist aus Anlaß des 50. Todestages von Arno Holz zum Oktober 1979 vorgesehen.

publikation, Nr. 4/5, 1979

Buchschmuck von Julius Diez

Hörspiel des Monats Oktober – Zum Hörspiel des Monats Oktober 1979 wählte die Jury der Akademie der Darstellenden Künste (Frankfurt) »Die Blechschmiede« von Arno Holz, Funkbearbeitung: Klaus M. Rarisch, Regie: Heinz von Cramer. (Eine Produktion des Bayerischen Rundfunks mit dem Rias Berlin und dem Westdeutschen Rundfunk.) Die Jury begründete ihre Entscheidung wie folgt: »Was jahrzehntelang als unspielbares Lesedrama galt, ist pünktlich zum 50. Todestag von Arno Holz für das Hörspiel entdeckt worden. Der Berliner Schriftsteller und Nachlaßverwalter Klaus M. Rarisch hat die weit über 100 Rollen auf 37 reduziert und sie auf 14 Schauspieler verteilt, ohne daß diese Literarische Walpurgis-Nacht-Revue – so der Untertitel der Vers-Satire – an expressiver Spannkraft verloren hat. Im Gegenteil: unter der einfühlenden Regie von Heinz von Cramer und mit so exzellenten Sprechern wie Grete Wurm, Charles Wirth und Dieter Borsche entfaltet sich das unzugängliche Werk aus dem Jahr 1902 zu einem vielstimmigen Klangfest, an dem der »Kunstgreis Goethe« und der Symbolist ebenso teilhaben wie der dröhnende Blechschmied, der über den ganzen Literaturbetrieb zu Gericht sitzt. Nichts anderes will dieses boshafte, phantastische Stück. Es ist eine sarkastische Abrechnung mit dem hohlen Kulturpathos seiner Zeit.«

FUNK-Korrespondenz Nr. 45, 6. November 1979

Buchschmuck von Julius Diez